Heute wie gestern …

02. Juli 2019  Uncategorized

Eines Tages im Frühsommer befahl Schwatzwutz H-W den Schafen, ihr zu folgen, und sie führte sie hinaus auf ein Stück Brachland am anderen Ende der Farm, das von jungen Birken überwachsen stand. Die Schafe verbrachten den ganzen Tag dort und weideten sich unter Schwatzwutz H-Ws Aufsicht an den Blättern. Sie selbst kehrte am Abend zum Farmhaus zurück, den Schafen jedoch riet sie, angesichts des warmen Wetters, dort zu bleiben, wo sie waren. Es endete damit, dass sie eine volle Woche dort blieben, während die anderen Tiere sie nicht zu Gesicht bekamen. Schwatzwutz H-W war die meiste Zeit bei ihnen. Sie lehre sie, so sagte sie, ein neues Lied zu singen, wozu es der Ungestörtheit bedürfe.

Es war just nach der Rückkehr der Schafe, an einem lauen Abend, als die Tiere ihre Arbeit beendet hatten und sich auf dem Rückweg zur Farm befanden, da ertönte vom Hof das entsetzte Wiehern eines Pferdes. Verblüfft blieben die Tiere stehen. Es war Kleeblatts Stimme. Abermals wieherte sie, und alle Tiere galoppierten los und stürmten in den Hof. Dann sahen sie, was Kleeblatt gesehen hatte.

Es war ein Schwein, das auf den Hinterbeinen lief.

Ja, es war Schwatzwutz H-W. Ein wenig unbeholfen, als wäre es ihr noch ungewohnt, seinen ansehnlichen Wanst in dieser Position aufrechtzuhalten, doch mit perfekter Balance, so schlenderte sie über den Hof. Und einen Augenblick später kam aus der Tür des Farmhauses eine lange Reihe von Schweinen, die allesamt auf den Hinterbeinen liefen. Einige machten es besser als andere, ein paar schwankten sogar ein Spürchen und sahen so aus, als hätten sie sich gerne auf einen Stock gestützt, doch jedes von ihnen schaffte es, einmal erfolgreich den Hof zu umrunden. Und schließlich erscholl ungeheures Hundegebell und ein schrilles Krähen des schwarzen Junghahns, und heraus trat Napoleon, bekannt als Rambo, persönlich, in majestätisch aufrechter Haltung, und verschoss nach allen Seiten hochmütige Blicke, und seine Hunde umsprangen ihn.

In seiner Schweinshaxe hielt er eine Peitsche.

Es herrschte tödliches Schweigen. Verblüfft, entsetzt, dicht aneinander gedrängt beobachteten die Tiere, wie die lange Schweinereihe langsam um den Hof herummarschierte. Es war so, als wäre die Welt auf den Kopf gestellt. Dann kam ein Augenblick, als der erste Schock abgeklungen war und in dem sie trotz allem – trotz ihres Entsetzens vor den Hunden und trotz der in langen Jahren erworbenen Gewohnheit, sich nie zu beschweren, nie zu kritisieren, egal was geschah – vielleicht ein Wort des Protestes geäußert hätten. Doch gerade in diesem Augenblick brachen alle Schafe wie auf ein Signal hin in das ungeheure Geblöke aus – »Vierbeiner gut, Zweibeiner besser! Vierbeiner gut, Zweibeiner besser! Vierbeiner gut, Zweibeiner besser!«

Und so ging es fünf Minuten lang pausenlos weiter. Und als die Schafe sich beruhigt hatten, war die Chance zum Protest verpasst, denn die Schweine waren zurück ins Farmhaus marschiert.

B. fühlte, wie ihn eine Nase an der Schulter stupste. Er sah sich um. Es war Kleeblatt. Ihre alten Augen blickten trüber denn je. Wortlos zupfte sie ihn sanft an der Mähne und führte ihn zum Ende der großen Scheune, wo die Sieben Gebote angeschrieben standen. Sie verharrten dort eine oder zwei Minuten lang und schauten auf die geteerte Wand mit den weißen Buchstaben.

»Mein Augenlicht lässt nach«, sagte sie schließlich. »Selbst als ich noch jung war, habe ich nicht lesen können, was da geschrieben stand. Aber mir scheint, dass diese Wand irgendwie anders aussieht. Sind die sieben Gebote noch dieselben wie einst, Benjamin?«

Dies eine Mal fand sich Benjamin dazu bereit, mit seiner Regel zu brechen, und er las ihr vor, was auf der Wand geschrieben stand. Jetzt war da bloß noch ein einziges Gebot. Es lautete:

ALLE TIERE SIND GLEICH, ABER MANCHE SIND GLEICHER

Danach erschien es nicht weiter befremdlich, als am nächsten Tag die Schweine, die die Farmarbeit beaufsichtigten, Peitschen in den Haxen trugen. Es erschien auch nicht weiter befremdlich zu erfahren, dass sich die Schweine ein Mikrofon gekauft hatten, Schritte unternahmen, den Anschluss eines Telefons zu verwanzen und die Zeitschriften „Der Welt“, „Economist“ und denen der Wirtschafts-Politik von Schläube abonniert hatten. Es erschien nicht weiter befremdlich, als man Rambo mit einer Pfeife im Maul im Farmhausgarten schlendern sah – nein, nicht einmal, als das Schwein Lieber-Freiherr Garderobe aus dem Kleiderschrank holte und Kleider von den grünen Bourgeoisie-Schweinen geborgt und sich angelegt hatten. Rambo präsentierte sich in einer schwarzen Null, gelbbraunen Neoliberalismus und Schulden-Bremse.

Die Tiere draußen blickten von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein, und dann wieder von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen, wer was war.

George Orwell, Animal Farm

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Flüchtlingsrat Thüringen stellt sich gegen rot-rot-grüne Abschiebungspraxis

13. März 2019  Uncategorized

Thüringen schiebt gerade volljährig gewordenen Jugendlichen nach Afghanistan ab

(Feb. 2019)

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Nach der Wahl ist vor den Wahlen…

03. März 2019  Uncategorized

… geschrieben vor den Europa- und Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 …

Als eine direkte Konsequenz daraus, wie ich behandelt wurden, hatte ich entschieden für die Bundestagswahl 2017 keine Plakate aufzuhängen und keine Flugblätter und Wahlzeitungen zu verteilen. Das könnte unbedeutend erscheinen, aber ich habe immer Plakate aufgehängt und Flugblätter verteilt in einem Bundestagswahlkreis / Landtagswahlkreis zu großen Teilen allein (abgesehen natürlich von Großflächenplakaten), und alle diese Wahlkreise waren/sind geografisch größer als Berlin – mehr als 1000 Plakate und tausende Flugblätter per Wahl. Das einzige Mal, dass ich dafür Ausgaben ersetzt bekam, war für die 2014 LTW in Thüringen, wo ich etwa 50 % der (nur) Spritkosten für meinen Wagen erhielt. Es ist interessant, dass es im Jahr 2017 war, als Sigrid Hupach und Frank Tempel aus dem Bundestag flog und DIE LINKE. ein katastrophales Wahlergebnis in Thüringen eingefahren hat. Natürlich erhebe ich keinen Anspruch darauf allein hierfür verantwortlich zu sein, aber inzwischen sind viele Genossen und Genossinnen im Streik oder verlassen die Partei wegen der extremen Zentralisierung und der Garstigkeit der Kreisvorstände, des Landesvorstands und insbesondere des GFLV. Nach meinem Dafürhalten resultiert der Erfolg der AfD direkt aus der undemokratischen Kaperung unserer Partei durch einige Karrieristen, die nichts tun, als die Parteiressourcen zu plündern und ihre Karrieren aufzubauen, während sie die Partei und die Arbeit vieler Mitglieder über die letzten 15 Jahre politisch zerstören – unsere Satzungen, unsere Programme und politischen Ziele bedeuten ihnen nichts. Die Klausel „Bereinigung“ in der Satzung, die sie als Rechtfertigung ihres Agierens heranziehen wird weitreichend unangebracht genutzt um Mitglieder loszuwerden, die eine mehr rechtsgerichtete (=Neoliberal) Agenda nicht akzeptieren – jedoch sind das oft die Mitglieder die den Löwenanteil der Arbeit, die die Partei direkt in Kontakt mit den Wählern bringen, stemmen. Viele Wählerinnen und Wähler wollen Veränderung und nun scheint es, als würde nur die AfD eine Alternative präsentieren.

Mike Wright

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R.I.P Faraidun Salam Aziz

20. Juli 2018  Uncategorized
„hier ist es wie in einem großen Grab“
Zitat eines Geflüchteten in Apolda Aus den Medien ist bekannt,
dass eine eritreische Frau sich und ihr Baby aus purer Verzweiflung 
über ihre Lebensumstände in Apolda umgebracht hat. Nicht bekannt 
geworden ist aber, dass ein Dritter Toter zu beklagen ist. 
Faraidun Salam Aziz war 38 Jahre alt.

Faraidun Salam Aziz (1.7.1979 – 1.5.2018)

Er ist am 01.05.2018 zwischen 3 und 4 Uhr morgens durch den Sturz aus einem Fenster im 4. Stock des Lagers für Geflüchtete in Apolda gestorben. Er war vor 10 Jahren aus dem Irak/Kurdistan nach Deutschland geflohen und wohnte seit 8 Jahren in Apolda. In dem Lager wohnte er erst seit ca. 4 Monaten, davor wohnte er im Lager in der Angespanne 3. Er war als ein sehr freundlicher Mensch bekannt, der vielen Menschen geholfen hat. Zum Beispiel hat er oft kostenlos auf Ämtern und Behörden für andere Geflüchtete übersetzt. Außerdem war bekannt, dass er unter starken Depressionen litt. Die Behörden in Apolda terrorisierten ihn, indem sie ihm eine Residenzpflicht auferlegten, das heißt, er konnte Apolda nicht ohne Erlaubnis der Behörden verlassen. Sie zahlten ihm sein Geld außerdem nicht monatlich, sondern wöchentlich aus und er durfte keine Arbeit suchen.Wir wissen nicht genau, wie er gestorben ist, aber wir sind sehr traurig und wütend, dass ein weiteres Leben in Apolda so dramatisch enden musste. In diesem Todesfall gibt es bisher ein großes Schweigen von Seiten der Behörden, der Polizei und der Medien. Damit muss Schluss sein! Denn jedes Leben ist bedeutsam und wir können nur in Solidarität zusammen stehen und kämpfen, wenn wir nicht Schweigen über die Menschen, die wir verlieren.
Am Montag, den 23.07.2018 um 18.00 Uhr, wollen wir uns gemeinsam mit Geflüchteten aus Apolda treffen. Dort werden wir uns über die Situation austauschen und weitere Schritte planen.
Weitere Informationen und den Ort für das Treffen in Apolda findet ihr sobald wie möglich unter: http://breakdeportation.blogsport.de und http://thevoiceforum.org/

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Kulturabbau. Damals…

30. Mai 2018  Uncategorized

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Wie kann man aber jemanden kritisieren?

17. Mai 2018  Uncategorized

… Warum will sich DIE LINKE ihres Linksseins entledigen? Warum will sie gerade das loswerden, was ihre Gesinnungsidentität ausmachen und ihre Weltausrichtung formulieren müsste? Ich frage das deshalb, weil es sein kann, dass wir hier ein Gespräch über Gespenster führen. Wenn Linke keine Linken mehr sind, dann braucht man über sie eigentlich gar nicht mehr in linken Kategorien zu sprechen. Dann sind sie eben keine Linke mehr, so wie ein Proletarier, der zum Bürgertum aufgestiegen ist, kein Proletarier mehr ist und auch nicht mehr als solcher beurteilt werden braucht. Oder geht es hier lediglich um unsere eigene narzisstische Kränkung, um unser subjektives Gefühl, verraten worden zu sein? Wie kann man aber jemanden kritisieren, der von vornherein durch Wort und Tat bezeugt, dass das, wofür er kritisiert wird, ihn gar nicht mehr tangiert? Wenn die Parteioberen der LINKEN nichts mehr zu tun haben, als sich des materiellen wie politischen Kapitals zu bemächtigen, welches sie aus ihrer Vergangenheit mitschleppen; wenn sie ihre Vergangenheit nicht nur verleugnen, sondern meinen, sie »überwinden« zu sollen, dann gibt es eigentlich gar nichts mehr im linken Sinne zu erörtern…

Moshe Zuckermann, „Verwirkte Relevanz“ Volltext

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Workers Unite

16. Februar 2018  Uncategorized

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